Benediktinerabtei Kloster Ettal

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Das Kloster Ettal, auch bekannt als Abtei zu den heiligsten Herzen Jesu und Mariä, liegt im wunderschönen Dorf Ettal in Oberbayern. Es handelt sich hierbei um eine Benediktinerabtei, die zur Bayerischen Benediktinerkongregation gehört. 

Die Abtei liegt so ungefähr zehn Kilometer nördlich von Garmisch-Partenkirchen und südöstlich von Oberammergau. Die Benediktiner haben das Kloster schon im Jahr 1330 gegründet und heute ist es ein beliebtes Ziel für Touristen. Neben dem Kloster gibt es auch noch landwirtschaftliche Betriebe, mehrere Gasthöfe, ein Hotel und ein Gymnasium mit angeschlossenem Internat. Außerdem gibt es noch einen Kunstverlag, eine Destillerie und eine Brauerei.

Kloster Ettal

Geschichte des Klosters 

Zwischen 1330 und 1370 haben Menschen die Klosterkirche im gotischen Stil erbaut. Sie hat einen zwölfeckigen Grundriss. Am 5. Mai 1370 wurde sie dann von Fürstbischof Paul aus Freising geweiht. Das Kloster war in den ersten 400 Jahren nicht so bekannt oder wichtig im Vergleich zu den großen Abteien in Bayern. Während der Reformation im Mai 1552 wurde es jedoch schwer beschädigt, als Truppen von Kurfürst Moritz von Sachsen dort einfielen.

Im 17. und 18. Jahrhundert war die Wallfahrt nach Ettal sehr beliebt. Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) wurde das Gnadenbild, eine Statue der Maria, von Kurfürst Max II. Emanuel am 12. April 1704 in die Hofkapelle gebracht und dort für zehn Tage verehrt. Danach wurde es in verschiedenen Kirchen in München aufgestellt und schließlich am 30. Juni in den Freisinger Dom gebracht. Im Frühjahr 1705 kehrte es dann nach Ettal zurück.

Die Blütezeit des Klosters begann erst unter Abt Placidus Seitz ab dem Jahr 1709. Im Jahr 1710 gründete er die Ritterakademie, wodurch die schulische Tradition Ettals entstand. Zu dieser Zeit wurden in Ettal während der kaiserlichen Verwaltung Kurbayerns Kriegswissenschaften gelehrt, darunter Ballistik, Militär- und Zivilbaukunst. Dies geschah nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch durch Schanzenbau und Schießübungen mit einem Geschütz aus dem Zeughause in München.

Im Jahr 1744 wurde durch einen Brand sowohl die Kirche als auch das Kloster weitgehend zerstört. Danach wurden sie im Rokoko-Stil nach Plänen von Enrico Zuccalli durch Joseph Schmuzer aus der Wessobrunner Schule wieder aufgebaut. Zur Ausstattung gehören unter anderem Seitenaltäre und Kanzel von Johann Baptist Straub. Die Deckenmalereien wurden von Johann Jakob Zeiller geschaffen, während die Stuckarbeit von Schmuzer und seinem Schwiegersohn Johann Georg Üblhör stammt.

Dank seiner günstigen Verkehrslage und der Tatsache, dass es Wallfahrer magisch anzog, hat es Ettal geschafft, eines der wichtigsten Benediktinerklöster in den Alpen zu werden.

Im Jahr 1790 erhielt die Abtei noch einmal den Blutbann. Das bedeutete, dass der Abt und sein Konvent die volle Gerichtsbarkeit hatten. Nicht nur die niedrigen und schriftlichen Gerichtsverfahren, sondern auch die Todesstrafe konnte vom Kloster Ettal verhängt werden. Durch die Säkularisation wurde die Benediktinerabtei gegen den ausdrücklichen Widerstand von Abt Alphons Hafner am 21. März 1803 aufgehoben. Das Gebiet des Klostergerichts wurde einem vorläufigen Landgericht in Murnau übertragen, aber bereits Ende 1803 auf die benachbarten Landgerichte Weilheim und Schongau aufgeteilt. Schließlich wurde im Jahr 1827 der größte Teil des ehemaligen Klostergerichts mit dem Landgericht Werdenfels vereinigt.

Die Gebäude und Besitztümer wurden schließlich vom Kurfürstentum Pfalz-Bayern übernommen. Im Jahr 1809 erwarb Josef von Elbing die Gebäude bei einer Versteigerung. Später, im Jahr 1856, erwarb Graf Albert von Pappenheim die Gebäude von August Baur Edlem von Breitenfeld, dem Enkel von Elbing.

Im Jahr 1898 kaufte der protestantische Baron Theodor von Cramer-Klett die Gebäude. Im nächsten Jahr verkaufte er sie jedoch weiter an das Kloster Scheyern, um die Wiederaufnahme des Klosterbetriebs zu ermöglichen. Obwohl er dabei Verluste hinnehmen musste, handelte er wohlwollend. Am 6. August 1900 zogen Benediktinermönche wieder in das Kloster ein. Zunächst war das Kloster ein Priorat des Klosters Scheyern, aber im Jahr 1907 wurde es wieder eine eigenständige Abtei. Seit der Gründung der Ritterakademie im Jahr 1710 haben sich das humanistische und sprachliche Gymnasium sowie das Internat zu den wichtigsten Aufgaben der Benediktiner in Ettal entwickelt. Einige der Gebäude, die während der Säkularisationszeit zerstört wurden, konnten dank finanzieller Unterstützung von Baron Cramer-Klett wieder aufgebaut oder renoviert werden. Die vollständige Wiederherstellung des Klosterensembles erfolgte erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Am 24. Februar 1920 erhob Papst Benedikt XV. die Kirche mit dem Apostolischen Schreiben "Inter potiora" in den Rang einer Basilica minor.

Im Kloster gibt es auch eine Brauerei und eine Destillerie, wo der Klosterlikör und andere Spirituosen wie Rakı hergestellt werden. Gegenüber dem Kloster befindet sich ein Hotel namens "Klosterhotel König Ludwig der Bayer", das bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht. Es gibt auch mehrere Gasthöfe, kleinere Geschäfte, eine Buchhandlung und einen Kunstverlag. Im Jahr 1994 wurde das ehemalige Deutschordenskloster Wechselburg in Sachsen von Ettal aus wiederbesiedelt. Die Mönche dort betreiben nicht nur die Pfarrseelsorge, sondern auch ein größeres Gästehaus. Insgesamt gibt es 55 Mitglieder im Ettaler und Wechselburger Konvent.

Die Benediktiner haben schon immer großen Wert auf Gastfreundschaft gelegt, nach ihren Ordensregeln (Hospites tamquam Christus suscipiantur – "Gäste sollen wie Christus empfangen werden", Ordensregel 53,1). Deshalb bietet der Ettaler Konvent auch heute noch interessierten Personen die Möglichkeit, für einige Tage am klösterlichen Leben teilzunehmen. Allerdings gilt dieses Angebot nur für Männer. In den letzten Jahrzehnten haben auch einige bekannte Gäste im Kloster Unterschlupf gefunden, darunter zwei Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus: Rupert Mayer SJ wurde von August 1940 bis Kriegsende hier interniert. Dietrich Bonhoeffer verbrachte die Zeit von November 1940 bis Februar 1941 in Ettal.

Im Jahr 2018 war im Kloster Ettal die Bayerische Landesausstellung zu Gast. Unter dem Titel "Wald, Gebirg und Königstraum - Mythos Bayern" widmete sie sich diesem spannenden Thema. Organisiert wurde diese besondere Veranstaltung vom Haus der Bayerischen Geschichte. Von Mai bis November 2018 hatten Besucher die Möglichkeit, die Landesausstellung zu erkunden. Diese Ausstellung war Teil des Jubiläumsprogramms "Mythos Bayern - 100 Jahre Freistaat".

Im August 2019 fand das Maltacamp statt, das als das größte Internationale Jugendcamp für Menschen mit Behinderung gilt. Es zog über 500 Teilnehmer aus 24 verschiedenen Ländern an und fand auf dem Gelände des Klosters statt.

Während der Coronakrise haben wir in unserer Destillerie im Kloster angepackt und begonnen, Desinfektionsmittel für Krankenhäuser herzustellen.

Benediktinerabtei Kloster Ettal

 Gründung

Das Kloster entstand am 28. April 1330 durch Kaiser Ludwig dem Bayern, als Teil eines Versprechens, das er abgegeben hatte, am Tag des heiligen Vitalis. Neben der Klostergründung waren auch der Ausbau einer Verkehrsverbindung gen Süden und die Erschließung der Umgebung mit diesem Gelübde verbunden.

Man nimmt an, dass Ludwig das Kloster nicht nur aus religiösen Gründen, sondern auch, um den Handelsweg von Augsburg nach Verona (Via Imperii) zu sichern, gegründet hat. Er wollte nicht nur sein eigenes Seelenheil, sondern auch die wirtschaftliche Bedeutung dieser Route fördern.

Ludwig und der Avignoner Papst Johannes XXII. waren in einen Streit verwickelt, der auf den ersten Blick um religiöse Fragen, tatsächlich jedoch um politische Vormachtstellung ging. Nachdem Ludwig in Rom von Sciarra Colonna, einem angesehenen römischen Adeligen und Anführer der kaisertreuen Partei Italiens, zum Kaiser gekrönt worden war, erklärte der Papst diese Krönung für ungültig. Daraufhin verkündete Ludwig die Absetzung des Papstes. Aus finanziellen Gründen musste er sich aus Rom zurückziehen, unterstützte aber die Wahl von Papst Nikolaus V. auf seinem Heimweg von Pisa nach Deutschland. Dabei kam er auch an der Stelle vorbei, an der heute ein Kloster steht. Dort gründete Ludwig ein Kloster, das andersartig und ungewöhnlich war. Es beherbergte nicht nur einen Mönchs- und einen Frauenkonvent, sondern auch einen Ritterkonvent mit zwölf Rittern.

Das wichtigste Heiligtum in Ettal war schon immer ein Marienbild, das aus Pisa mitgebracht wurde und als Ettaler Madonna bekannt ist. Schon bald nach dem Bau des barocken Klosters wurde die Madonna ein beliebtes Ziel für Wallfahrten. Die Klosterkirche ist der heiligen Maria gewidmet und trägt den Namen St. Mariä Himmelfahrt.

Benediktinerabtei Kloster Ettal
Hoher Ziegspitz
Burgruine Werdenfels

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